Kapitel 7 von 10
Die Entscheidung
Um wirklich sicher zu sein, wollten wir die Fruchtwasseruntersuchung machen lassen. Sie ist nicht ohne Risiko, im schlimmsten Fall kann sie zu einer Fehlgeburt führen. Wir wollten es trotzdem.
Beim Termin schaute sich der Arzt zuerst noch einmal das Herz an. Bis dahin war nicht ganz klar, wie es darum stand. Seine Analyse ergab: Das Herz hatte sich nicht gut entwickelt. Es lag ein schwerer Herzfehler vor.
Danach die Punktion. Eine sehr lange Nadel wird durch die Bauchdecke bis zum Fruchtwasser geführt, bei vollem Bewusstsein. Man fragt sich irgendwann, was Katja eigentlich noch alles durchmachen sollte. Die Ärztin und der Arzt waren dabei wirklich einfühlsam. Das möchten wir ausdrücklich sagen, denn wir haben von anderen auch echte Horrorgeschichten gehört und waren froh, dass uns das erspart blieb.
Einige Tage später kam die Bestätigung: freie Trisomie 18, ein schwerer Herzfehler, eine verkrampfte Hand- und Fußhaltung. Und Karl war kleiner, als er zu diesem Zeitpunkt hätte sein müssen.
Wir haben dann abgewogen. Unsere Vorgeschichte. Was wir uns selbst zutrauen. Das Risiko, dass die Schwangerschaft fortschreitet, Karl größer wird, im Bauch stirbt und dann geboren werden muss. Und der klare Ausblick: Selbst wenn er lebendig zur Welt gekommen wäre, wäre er dauerhaft auf Medikamente und medizinische Geräte angewiesen gewesen, mit einer Lebenserwartung von nur kurzer Zeit.
Wir haben uns für einen Abbruch der Schwangerschaft entschieden. Es ist schwer, drei Jahre später alle Gründe knapp zusammenzufassen. Es sind Gründe für eine Entscheidung, die kein Elternteil jemals treffen müssen sollte. Wir sind wochenlang durch diesen Prozess gegangen, und am Ende stand die Entscheidung.
Eines möchten wir dazusagen: Genauso viel spricht dafür, das Kind weiterzutragen. Es gibt kein Richtig und kein Falsch. Es gibt nur Eure eigene Entscheidung. Was uns beim Entscheiden geholfen hat, haben wir im Entscheidungsweg aufgeschrieben.