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Kapitel 8 von 10

Der Abschied beginnt

Als die Entscheidung getroffen war, bekamen wir den schnellstmöglichen Termin. Er fiel auf den Tag vor Pauls Geburtstag. Am 21. Juni 2022 fuhren wir nachmittags zum UKE nach Hamburg.

Nach dem Papierkram bekamen wir ein eigenes Zimmer auf der Neugeborenen-Station, ein Stockwerk unter den Kreißsälen. Zum Glück durfte Paul die ganze Zeit dabei sein. Ein Jahr zuvor, mitten in der Corona-Zeit, wäre das nicht möglich gewesen. Solche Geschichten haben wir von anderen gehört.

Katja hatte in den Vorgesprächen außerdem erkämpft, dass Karl in unserem Zimmer zur Welt kommen würde, nicht in einem Kreißsaal. Das war damals eine Ausnahme. Dein totes Baby in einem Raum zu bekommen, in dem nebenan zur gleichen Zeit lebendige Kinder geboren werden: Das wäre eine zusätzliche Qual gewesen.

Dann kam der Moment, in dem Katja die Tablette bekam, die die Schwangerschaft beenden würde. Sie schluckte sie, und dann hieß es warten.

Die ganze Zeit seit dem 13. Mai waren wir traurig, zuversichtlich, chaotisch, apathisch, einfach am Boden. Und doch haben wir unseren Weg auf irgendeine Art akzeptiert. Zwischendurch haben wir sogar Späße gemacht und gealbert. Vielleicht konnten wir es nur so aushalten. Es ist auch einfach unsere Art, miteinander und mit dem Leben umzugehen.

Ab dem Nachmittag bekam Katja wehenfördernde Medikamente und etwas gegen die Schmerzen. Wehen gab es die ganze Nacht, wie bei jeder Geburt. Nur wussten wir schon, dass unser Kind nicht lebendig sein würde. Geschlafen haben wir kaum. Die Krankenschwestern waren nett und haben sich gut gekümmert. Aber am Ende muss man es selbst durchstehen. Katja hat das so tapfer gemacht.

Am Vormittag platzte schließlich die Fruchtblase.