Kapitel 5 von 10
Freitag, der 13. Mai 2022
Ausgerechnet an einem Freitag, dem 13., erfuhren wir von Katjas Frauenarzt, dass unser Sohn laut beiden Bluttests Trisomie 18 haben sollte. Wir hatten von dieser Diagnose zum ersten Mal überhaupt gehört. Wir konnten es nicht fassen und waren komplett am Boden.
Am Anfang war die Hoffnung noch groß, dass es ein Irrtum sein könnte, ein falsch positiver Test. Paul recherchierte, was das alles bedeuten würde. Katja fing sofort an, nach ähnlichen Geschichten zu suchen, nach Menschen zum Austauschen. Denn in unserem Umfeld kannten wir niemanden, dem das passiert war. Wir fühlten uns wie Aliens.
Am Tag danach fuhren wir sogar noch zur Kommunion von Katjas Patenkind und ließen uns nichts anmerken. Wir wollten das Fest nicht mit unserer Geschichte überschatten. Der nächste Ultraschall-Termin war erst am Mittwoch darauf. Wir fragen uns bis heute, wie wir allein diese ersten Tage durchgestanden haben. Sie waren der Beginn eines einzigen Albtraums.
Ein Praxiskollege von Katjas Frauenarzt mit mehr Erfahrung auf diesem Gebiet schaute sich die Lage per Ultraschall und Blutanalyse mit uns an. Er machte uns wenig Hoffnung und sprach sofort von einem medizinisch indizierten Schwangerschaftsabbruch.
Für eine Zweitmeinung fuhren wir noch am Freitagnachmittag ins Hamburger UKE. Dort gibt es eine Station mit Ärztinnen, die auf genau diese Situationen spezialisiert sind. Dass wir so kurzfristig in die Sprechstunde durften, war ein Glück. Und dass Paul mit seinem negativen Corona-Test mit hinein durfte, auch. Am nächsten Tag war sein Test positiv.
Gewartet haben wir auf derselben Station, auf der Frauen ihre gesunden Kinder zur Welt bringen. Betten mit frisch geborenen Babys wurden an uns vorbeigeschoben, und wir saßen da, mit unserem schwer kranken Kind im Bauch. Wir mussten das einfach aushalten.
Dann trafen wir auf eine ausgesprochen empathische, einfühlsame Ärztin. Ihr Ultraschall bestätigte, was wir schon wussten. Sie schaute vor allem auf das Herz, denn dort liegt meist das größte Problem. Ihr Kollege, eine Koryphäe auf diesem Gebiet, war an dem Tag nicht da. Also nahm sie unseren Fall mit, um ihn mit ihm zu besprechen. Und sie gab uns die Kontakte einer Humangenetikerin und eines Neonatologen am UKE.
Am Ende stand die Frage im Raum, die alles entscheiden würde: Wollen wir die Schwangerschaft weitertragen oder abbrechen?